Historie


Stadt Friesoythe und alte Wassermühle im Wandel der Zeiten

Die bekannte Geschichte der Stadt Friesoythe beginnt mit Graf Otto l von Tecklenburg, die Zeit davor verschwindet im Dunkel der Vergangenheit. Ottos Großvater Heinrich l von Tecklenburg (1150 – 1169) hatte die „Nordlande“ bei der Heirat mit Eilike von Oldenburg erhalten, aber vermutlich nie besucht. Ottos Vater Simon von Tecklenburg (1170 – 1207) fiel 1207 im Gefecht gegen den Grafen Hermann von Ravensberg. Otto l (geboren 1189, reg. Graf 1209 -1262) war ein verdienstvoller Mann, wurde 1214 Kommandeur der kaiserlichen Leibgarde und begleitete den Bischof von Münster nach Palästina. Ottos Vetter Friedr. von Isenberg erstach jedoch 1225 im (privaten) Duell den Erzbischof Engelbert von Köln (seinen Onkel), wurde daraufhin vom Kaiser geächtet und floh auf die Burg seines Vetters Otto. Vom Kaiser beauftragt zogen die Fürstbischöfe Ludolf von Münster und Otto von Osnabrück aus und zwangen schließlich den Tecklenburger zur Flucht (der geächtete Isenberger starb im November 1226, ob im Kampf oder auf der Flucht, ist nicht bekannt). Otto flüchtete in seine Nordlande und bezog 1227 seine Burg zu Oythe (später Friesoythe). Um die Burg vor Angriffen zu schützen, ließ er die Soeste verlegen, so daß sie mit dem Hellegraben zwei Flanken der Burg schützte. Das Mühlenwehr am eingedeichten Flußbett konnte im Bedarfsfall geöffnet werden, die Niederungen an den ungeschützten Flanken der Burg fluten und diese so zu einer fast uneinehmbaren Wasserburg machen.

1236 wurde die auch über Otto verhängte Reichsacht nach Vermittlung des Bischofs von Münster aufgehoben, Otto blieb jedoch in Oythe/Friesoythe.

Sein Sohn Heinrich ll heiratete die elfjährige Jutta von Ravensberg, starb aber bereits 1248, kinderlos. Als Otto l 1261 starb, traten seine beiden Schwiegersöhne Otto ll von Bentheim und Heinrich von Oldenburg die Nachfolge an (Otto erhielt die Nordlande, Heinrich die südlichen Besitzungen). Heinrich von Oldenburg starb 1268 kinderlos, sodaß Otto ll von Bentheim Alleinregent wurde (1268 -1284). Er nahm darauf den Namen Otto ll von Tecklenburg an und blieb auch auf der Burg zu Oythe.

Sein Sohn Otto lll (1284 – 1302) befestigte Oythe/Friesoythe mit einem Wall und 3 Toren (Langepforte, Moorpforte und Kirchpforte). 1296 errichtete er bei Krapendorf eine weitere Burg, die Kloppenburg, die dem Schutz des Handelsweges vom Dollart bis ins Osnabrücker Land dienen sollte. In Friesoythe lebten hauptsächlich Handwerker. So gab es in der Blütezeit nicht weniger als 16 größere Schmiedebetriebe, die überwiegend Sensen, Sicheln, Spaten, Pflugschare u.ä. produzierten, die bis in die Niederlande und darüber hinaus exportiert wurden. Raseneisenerz sowie Schwarztorf als Brennstoff fand man vor den Toren der Stadt, war also diesbezüglich unabhängig. (Der Friesoyther Schmiedemeister und Dipl.Metalldesigner Alfred Bullermann hat in den vergangenen Jahren mehrfach real demonstriert, daß es möglich ist, in „Rennöfen“ aus Lehm mit Raseneisenerz und Schwarztorf Eisen und Stahl vorzüglicher Qualität zu produzieren). Mehrere Märkte sorgten jedes Jahr für einen lebhaften Warenaustausch zwischen Ostfriesland, Westfriesland und den südlichen Gebieten.

In einem Geleitbrief von Otto lV und seiner Mutter Beatrix aus dem Jahr 1308 finden wir für Oythe/Friesoythe erstmals die Bezeichnung „oppidum“ = Stadt (ältere Urkunden dieser Art sind leider nicht erhalten). Nikolaus lll, der Sohn von Otto lV, eroberte das Saterland und entwickelte sich – wie viele Grafen seiner Zeit – mehr und mehr zum Raubritter, in seine Zeit fällt auch die Errichtung der Schnappenburg bei Barßel.

1350 wurde Oythe/Friesoythe erstmals von der Pest heimgesucht (eine zweite, noch schlimmere Pestseuche gab es 1567). Als das räuberische Treiben des Tecklenburgers immer übler wurde, sammelten die Bischöfe Otto lV von Münster und Konrad ll von Osnabrück erneut eine kleine Streitmacht und zogen gen Norden. Im August 1393 fiel die Kloppenburg und im März 1394 mußte auch die Burg zu Oythe aufgegeben werden, kurz danach die Schnappenburg; alle Burgen wurden „geschleift“, d.h. dem Erdboden gleich gemacht. Graf Nikolaus lV floh zunächst auf die Burg Arkenau, danach auf die Stammburg zu Tecklenburg. Auch dort wurde er von den Bischöfen belagert und schließlich zur Aufgabe gezwungen. Am 25. Oktober 1400 mußte Nikolaus urkundlich auf alle nördlichen Besitzungen verzichten. Diese wurden daraufhin vom Kaiser den beiden Bischöfen zugesprochen, dem Münsteraner gelang es jedoch, dem Osnabrücker seinen Anteil „abzuhandeln“. Somit waren ab 1400 die Bischöfe von Münster nicht nur geistliche Fürsten, sondern auch weltliche Oberherren über die Stadt Friesoythe wie auch Besitzer der Wassermühle, die in der Folge verpachtet wurde (die Namen der Pächter sind noch bekannt). Im Jahre 1470 wird Friesoythe urkundlich erstmals als Mitglied der Hanse erwähnt. In den Jahren 1454 und 1538 wurde die Stadt durch Raubzüge der Grafen von Oldenburg heimgesucht. Doch eine der schlimmsten Prüfungen waren wohl die Jahre des 30jährigen Krieges 1618-1648, in denen mehrfach wechselnd kaiserliche und schwedische Truppen durchzogen, mitunter auch länger in der Stadt blieben (bis es nichts mehr zu plündern und auszubeuten gab). Bekanntgeworden und in einem „Extrablatt“ (Vorläufer heutiger Zeitungen) dokumentiert ist die mehrtägige Schlacht bei Altenoythe 1923. Nach verlustreichen Gefechten mußten die schwedischen Truppen, die sich zuletzt auf dem Altenoyther Friedhof verschanzt hatten, am 2. Weihnachts-tag 1623 in Richtung Ostfriesland fliehen. Aus den Jahren des 30jährigen Krieges stammt auch das alte Kanonen-rohr, das ein Bauer beim Pflügen in seinem Acker fand. Einige Zeit später erwarb es der Friesoyther Klaus Dickmann, der es reinigte, auf eine Lafette setzte und dann in seinen Garten stellte. Bei Auffindung war noch die Inschrift zu erkennen „Osnabrück 1632“. Vermutlich war die schwere Feldkanone durchziehenden Truppen vom Weg abgeruscht und im Moor versunken.

Anläßlich der „350 Jahre Westfälischer Friede“-Ausstellung in der alten Wassermühle stiftete Klaus Dickmann die Kanone dem Mühlenverein, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. (Der provisorische Unterbau wurde morsch und drohte zusammenzubrechen. Glücklicherweise erklärte sich in diesen Tagen die Stiftung Kunst und Kultur der Landessparkasse zu Oldenburg bereit, den Bau einer neuen, historischen Vorbildern nachemp-fundenen Lafette mit einem Betrag von 5000 Euro zu fördern!).

Im Reichsdeputationshauptschluß wurden die nördlichen Münsterlande 1803 (im Tausch) dem Herzog von Oldenburg zugesprochen. Auch die alte Wassermühle ging somit in Oldenburger Besitz über.

Da die Mühle nicht mehr – wie in früherer Zeit – eine „Zwangsmühle“ war, die Erträge somit erheblich zurückgingen, fanden sich keine Pächter mehr, so daß sich die Oldenburger 1855 entschlossen, die Wassermühle zu verkaufen. Der erste Käufer, der die Mühle nebst zugehörigen Gebäuden und Grundstücken für 20.000 Thaler erworben hatte, mußte sie wegen zu geringer Einnahmen schon nach einem Jahr für nur 18.000 Thaler weiterverkaufen. Die Erwerber Anton und Wilhelm Warnken - sie waren zuvor als Kaufleute in Amsterdam zu Geld gekommen - erweiterten den Betrieb in den folgen-den Jahren um Kolonialwarenladen, Ölmühle, Knochenmühle, Sägerei und Schwarzbrotbäckerei. In der zweiten „Gebr. Anton und Wilhelm Warnken Generation“ wurden 1907 die Wasserräder entfernt und durch eine leistungsfähigere Turbine ersetzt. Der Überschuß an erzeugter elektrischer Energie wurde bereits vor dem 1. Weltkrieg ins öffentliche Netz eingespeist und deckte 50% des gesamten Friesoyther Energiebedarfs. Ein dramatisches Ereignis führte wenige Tage vor Ende des 2. Welt-krieges zur Zerstörung der Stadt, des alten Stadttors und der alten Wassermühle. Mitte 1945 wurden die Stadt, das historische Stadttor – das Wahrzeichen Friesoythes – und auch die alte Wassermühle von kanadischen Panzertruppen völlig zerstört. (Damit erfüllte sich auch eine Vorhersage des alten Stadtschreibers Anton Wreesmann, gen. „de olle Vierfuß“ aus den 30er Jahren „… die meisten von Euch werden es noch erleben, daß man in Friesoythe vom Krankenhaus bis zum Amtsgericht sehen kann, ohne daß ein Haus dazwischen steht!...“)

1981 gab Anton Warnken (lll) den Mühlenbetrieb auf und verkaufte die Immobilie an die Stadt. 14 Jahre lang zerfiel der Bau mehr und mehr zur Ruine. Ein 1995/96 gegründeter Verein übernahm 1997 Gebäude und Grundstück in Erbpacht, sanierte in den folgenden Jahren das Haus und gestaltete es zu einer kulturellen Begegnungsstätte um. In den beiden Veranstaltungsräumen (unten für ca. 80 Gäste; oben - mit Bühne - für 100 bis120 Besucher) fanden in den vergangen 2-3 Jahren jeweils über 100 Veranstaltungen statt (Kammerkonzerte, Vernissagen, Vorträge, Schulungen, Ausstellungen, Kindermusicals, kl. Theater-aufführungen, etc. etc., ja sogar viele Trauungen). – Nach anfänglicher Skepsis wird das Kulturzentrum „Alte Wassermühle“ inzwischen von der Bevölkerung gut angenommen. Im vergangenen Jahr wurde wieder ein Wasserrad nach historischem Vorbild installiert, außerdem eine Archimedes-Wasserschnecke zur Energiegewinnung, sowie ein mäanderförmiger „Fischpaß“. In den vergangenen Monaten wurde als letzter Bauabschnitt ein Dokumentationszentrum „Alternative Energieformen“ eingerichtet .